Erstellt: Dienstag, 15. Januar 2019 21:54

Im Jahr 1848 gründete Anton Grohmann in Kreibitz nördlich des Kaltenberg eine kleine Destillationsfirma und produzierte Liköre. Die Rezeptur aus 24 Ingredienzien des "Kaltenberger Kräuterbitter" sollte ein Erfolg werden. Es existierten Geschäftsbeziehungen bis nach Prag und Leipzig.

Am 16. November 1901 kaufte Franz Püsche, der Neffe von Anton Grohmann, die Firma für 30.000 Kronen und benannte diese als Spirituosenfabrik. Desweiterem erweiterte er diese um einen Weingroßhandel. Franz Püsche starb 1913 jung mit 39 Jahren. Seine Ehefrau Marie Püsche führte das Unternehmen weiter.1

Kreibitz (heute Chřibská) ist heute eine Kleinstadt in Tschechien und Teil eines Gebietes mit einer wechselhaften Geschichte. Es liegt etwas südlich und in der Mitte einer Linie zwischen Bad Schandau und Zittau. Im 19. Jahrhundert zu Böhmen gehörend wurde es nach dem Ende des 1. Weltkrieges Teil der neu gegründeten Tschechoslowakei. Das Münchner Abkommen vom 29. September 1938 bestimmte, daß die Tschechoslowakei das Sudetenland an das Deutsche Reich abtreten und binnen zehn Tagen räumen musste. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es wieder Teil der Tschechoslowakei. Die deutsprachige Bevölkerung musste das Land 1946 innerhalb weniger Tage verlassen. Frau Marie Püsche und ihre Familie siedelten nach Würselen in der Nähe von Aachen um.

Die Rezeptur ist bis heute erhalten geblieben. Wichtige Zutaten sind Bitterklee, Wermutkraut, Angelikawurzel, Chinarinde, Veilchenwurzel, Lavendelblüten und weitere Botanicals. Diese werden schonend durch Destillateur Mathias Müller mazeriert und anschließend mit 34 Volumenprozent auf die Flasche gefüllt. Nach über 70 Jahren steht der Kräuterbitter "Kaltenberger" wieder in den Regalen des Einzelhandels und den Spirituosenkarten von Restaurants.

Der Kräuterbitter "Kaltenberger" präsentiert sich gelbgrün im Glas. In der Nase macht sich schnell eine Fülle an Gewürz- und Bitterstoffen bemerkbar, welche vom Wermut klar dominiert wird. Daneben sind feine Nuancen von Rhabarber, Lavendel und Melisse spürbar. Am Gaumen zeigt sich anfangs eine feine Süße, verbunden mit kraftvollen, balsamischen Gewürz – und Bitternoten (Wermut, Zitronenmelisse, Nelken, Veilchen, Kamille) Eine feine brennende Schärfe rundet das Geschmacksbild harmonisch ab. Bitte bei Zimmertemperatur genießen. Das gesamte Spektrum öffnet sich erst nach einigen Minuten.

[1] Das Kreibitztal - Gedanken und Erinnerungen, 15. Ausgabe 2018